Im Bad Goiserer Ortsteil Wurmstein beginnt bei der Rathlucka Hütte der gut beschilderte "Figuren- und Sagenweg". Es begleiten Sie fabelhafte, aus Baumstämmen geschnitzte Wesen. Tafeln mit Sagen aus der Umgebung erzählen von Ereignissen aus längst vergangenen Tagen.
Wenn Sie beim "Lindwurm-Loch" angekommen sind, gehen Sie unbedingt noch einige hundert Meter weiter auf den Höhenweg durch die "Ewige Wand". Von hier genießen Sie einen traumhaften Blick über das Goiserer Tal.
Ab sofort kann man das alles auch im Winter ganz bequem erleben. Denn die Gemeinde Bad Goisern fährt mit einem Skidooregelmäßig von der Rathlucka-Hütte zum Sagenweg und presst so den Pulverschnee zu einer festen Unterlage für einen entspannten Spaziergang. Festes Schuhwerk ist nicht unbedingt erforderlich, auch für Kinderwägen geeignet.Ach, und übrigens: Lindys Höhle ist am schönsten im tief verschneiten Winter, lassen doch riesige Eiszapfen das Licht spielen!
Wenn du heute den Dachstein ansiehst, ist er von einem Gletscher bedeckt. Das war aber nicht immer so. Vor vielen Jahren war dieses Gebiet sehr fruchtbar und große Herden von Kühen und Schafen weideten dort. Die Tiere gaben viel Milch und bestes Fleisch, aber die Menschen schätzten diesen Reichtum bald nicht mehr. Sie wurden übermütig und hochnäsig. Schafhirten badeten in Milch und sogar für die Pflege der Tiere verwendeten sie Milch statt Wasser. Passte ihnen eine Mulde nicht, füllten sie kurzerhand Butter hinein. Die Küche und sogar den Stall pflasterten sie mit Käse. Lange Zeit sah Gott zu, aber schließlich beschloss er die Leute dort zu bestrafen. Eines Tages wurde der Himmel düster und tiefschwarze Wolken zogen heran. Bald bedeckten sie den ganzen Himmel und ein furchtbares Gewitter brach los. Zuerst regnete es in Strömen, bald begann es zu hageln und Schnee fi el vom Himmel. Lawinen brachen los und rissen Tiere und Menschen ins Verderben und der furchtbare Sturm warf sogar Felsen übereinander. Bald war von der wunderbaren Landschaft nichts mehr geblieben. Eine dicke Decke aus Eis hatte diese übermütigen Wesen verschlungen. Nur ab und zu sah man noch einen kahlen Fels herausragen. Auch der Teufel selbst wohnt in den Höhlen des Dachsteinstockes. Besonders zur Zeit der nächtlichen Stürme verfolgt er die sündigen Mädchen und schmiedet ihnen zur Strafe für ihre Sünden Hufeisen an die Knie, wovon die zeugen, die man da droben in den Einöden fand. Ihre „Hufeisenspuren“ sind heute die so genannten „Kuhtritt-Muscheln“.
Vor vielen Jahren lebte in einem prächtigen Bauernhof am Hallstättersee eine angesehene Familie. Aber ihr Sohn hatte keine Freunde, denn seine Eltern erlaubten ihrem Kind das Spielen mit den Goiserer Kindern nicht. Sie meinten, diese wären kein guter Umgang für ihn. Kein Wunder, dass ihr Kind immer allein war und sich nach Gesellschaft sehnte. Eines Tages, als der Junge durch den Wald spazierte, fand er auf dem Boden einen verletzten Buntspecht, der nicht mehr fliegen konnte. Vorsichtig hob er das Tier mit den wunderschönen Federn auf und trug es behutsam nach Hause. Dort wollte er es gesund pflegen. Doch seine Eltern schimpften deswegen. Sie meinten, der Vogel könnte eine ansteckende Krankheit haben. Letztendlich musste der Junge ihn nehmen und in den Wald
zurück tragen. Traurig machte er sich auf den Weg und während er so dahingrübelte, fiel ihm ein alter Mann ein, der in der Nähe seine abgelegene Hütte hatte. Man erzählte allerlei Seltsames über ihn: Vielen hatte er schon geholfen und manche sogar wieder gesund gemacht. Vielleicht konnte er auch seinem Specht helfen?
Zaghaft klopfte das unglückliche Kind an die Tür des Heilers. Dieser öffnete und hörte sich seine Bitte an. Daraufhin untersuchte er das verletzte Tier gewissenhaft. Doch nach einiger Zeit schüttelte er traurig seinen Kopf und meinte: „Leider kann ich deinem Vogel nicht mehr helfen. Bring ihn doch in den Wald zurück und lasse ihn in seiner gewohnten Umgebung sterben!“ Nur zögernd gehorchte der Junge der Anweisung des alten Mannes, bedankte sich höfl ich und ging. Weil aber der Specht das Kind so unendlich traurig anschaute, begann es ganz leise ein Lied zu summen. Kaum vernahm das kranke Wesen diese Melodie, hob es sein Köpfchen und lauschte. Das gefiel dem Kind so sehr, dass es all seinen Mut zusammen und das kranke Tier wieder zu sich nach Hause nahm. Im Schuppen versteckte es der Junge und pflegte es mit großer Liebe und Sorgfalt. Anfangs wollte der Specht nicht fressen, aber immer, wenn das Kind zu singen begann, schien sich das Tier wohler zu fühlen. Lange Zeit pfl egte und fütterte der Knabe den Specht. Das war nicht einfach, denn die Eltern durften schließlich nichts merken. Aber je länger sich der Brave um das verletzte Wesen kümmerte umso besser ging es ihm. Und nach einigen Wochen liebevoller Pfl ege war es soweit! Der Vogel konnte in die Freiheit entlassen werden. Der Junge trug den geheilten Gefährten in den Wald. Dort wünschte er ihm alles Gute und ließ ihn frei. Sofort fl og der Specht auf den nächsten Ast. Aber was war das? Plötzlich begann er zu sprechen: „Ich danke dir für deine aufopfernde Pfl ege. Deine Lieder haben mich gesund gemacht. Ich danke dir dafür von ganzem Herzen. Weil du mein Leben gerettet hast, werde auch ich dir einen großen Gefallen tun: Du wirst nie mehr einsam sein, denn ich werde von nun an bei dir bleiben, immer in deiner Nähe sein und dir die Zeit vertreiben.“
Gesagt, getan. Viele Jahre lang blieben die beiden gute Freunde und jeden Tag unterhielten sie sich stundenlang miteinander. Unendlich viel lernte der Junge von dem Vogel, denn dieser war klug und weise. Sie vergaßen einander auch nicht, als aus dem Kind bereits ein Mann geworden war, der von seinen Eltern in die Stadt auf die Universität geschickt wurde, um dort zu studieren. Jahre später kam dieser als Tierarzt in seine Heimat zurück und half dort den Tieren der Bauern noch viele viele Jahre bis zu seinem Tode. Frei erfunden von Schülern der Welterbe-Hauptschule Bad Goisern
Die Sagen im im Überblick und zum downloaden (.pdf)